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Pressetext

Ein Altus mit dem Zauber der hohen Töne

Schwierigste barocke Koloraturen und dabei eine echte weiße Taube auf dem Handrücken: Man braucht ein besonderes Fingerspitzengefühl, um als Sänger mit Tieren auf einer Bühne umgehen zu können. Und für den Altus Matthias Rexroth war das 2005 an der Norwegischen Staatsoper in Oslo wörtlich zu verstehen. Als in jeder Hinsicht triumphierender Giulio Cesare in Stefan Herheims Inszenierung von Händels gleichnamiger Oper faszinierte er nicht nur das Publikum, sondern auch seine Taube: Man muss mit dem Zeigefinger immer leicht zittern, nur dann flattert sie, bleibt aber dennoch sitzen.

Jahrelang hat Matthias Rexroth im Orchester Oboe gespielt, bevor ihm die reine Musikausübung nicht mehr genügte. Die Lust auf die Bretter, die die Welt bedeuten, war nun nicht mehr zu bändigen. Aber nicht als Schauspieler, sondern als singender Darsteller drängte Rexroth auf die Bühne. Zunächst als Tenor ausgebildet, fand er seinen Weg aber schon bald als männlicher Contralto: Ich hatte schon als Junge eine Altstimme und empfinde das bis heute als meine natürliche Stimmlage zum Singen, außerdem hatte ich auch nie einen markanten Stimmbruch.

Was heute oft Mezzosopranen vorbehalten ist, die Titelrolle in Rossinis Tancredi etwa, mit der Rexroth auch in einem Livemitschnitt auf CD zu hören ist, bereitet ihm kein Problem, denn sein Stimmumfang ist der eines weiblichen Contralto. Neben seinem Gesangslehrer Eytan Pessen, mit dem er seit neun Jahren zusammenarbeitet, hat er denn auch viel von Marilyn Horne gelernt, aus deren intensivem Unterricht in New York er in jeder Hinsicht profitierte.

Dennoch war der Beginn als Tenor für ihn keine verlorene Zeit, denn Alt- und Tenor-Stimme nahtlos zu verbinden, bedeutet auch, neben der strahlenden Höhe und einer tragenden Mittellage eine schöne, weich klingende Tiefe zu besitzen, eine an warmen Farben reiche Stimme eben oder wie anlässlich seines Münchner Debüts im Dezember 2005 zu lesen war: Ein Sänger mit feiner, unangestrengter Höhe und maskulin-kraftvollem, tiefen Register, wunderbar sicherer Intonation, eines leuchtenden Pianissimos fähig, und das alles in einer fließenden Natürlichkeit, die vielen hohen Männerstimmen abgeht.

Auch wenn Matthias Rexroth nicht auf der Bühne steht, sondern - wie in München - konzertant im Frack Opern-Arien zum Besten gibt, glaubt man sich im Theater. Nicht nur, weil vom ersten bis zum letzten Ton Stimme wie Gestaltung zu fesseln vermögen, sondern auch weil schon mit dem Auftritt, mit einer erwartungsvoll und gespannt ins Publikum gerichteten Mimik, der Funke überspringt. Das muss wohl auch beim 37. Francesco-Viñas-Wettbewerb in Barcelona so gewesen sein, als Rexroth den ersten Preis erhielt, oder beim 19. Hans-Gabor-Belvedere-Wettbewerb in Wien, den er nicht nur gewann, sondern darüber hinaus acht Sonderpreise mit nach Hause nehmen konnte.

Das Debüt des gebürtigen Nürnbergers an der Staatsoper Stuttgart in Martin Kusejs Inszenierung von Purcells King Arthur war 1999 sein Durchbruch. Und ein Erfolg, der ihn nicht nur in die Zentren der Barockmusik-Pflege führte, wie Innsbruck mit Legrenzis La divisione del mondo oder im Juni 2006 zu den Händel-Festspielen nach Halle mit Admeto, sondern unter anderem nach Hamburg (als Ottone in Karoline Grubers Kult gewordener Inszenierung von Monteverdis Poppea) und bis San Francisco: als Unulfo in Händels Rodelinda.

Bach und Britten, Händel und Haydn, Rossini, Schubert oder Wagner: auf seiner Porträt-CD Stimme der Könige zeigt Rexroth, dass einem herausragenden Altus - oder Countertenor, wie der populärere, aus der englischen Chortradition stammende Begriff lautet - ein breites Repertoire von der Renaissance bis zur Moderne offen steht. Aber auch einige der noch von Mozart für Alt-Kastraten geschriebenen Partien, so die Titelrolle seines frühen Ascanio, scheinen für Rexroth komponiert.

Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Rinaldo Alessandrini, René Jacobs, Thomas Hengelbrock, Christophe Rousset, Helmuth Rilling, Riccardo Muti, Nicola Luisotti oder Fabio Luisi; Ensembles wie das Freiburger Barockorchester, Concerto Köln, Akademie für Alte Musik Berlin, Gewandhausorchester Leipzig oder Wiener Philharmoniker: Oft sind es die Koryphäen der Alten Musik, aber nicht nur sie, die Rexroths Kunst - seine Stimme und Musikalität, aber auch seinen jugendlichen Charme neben einer herausragenden Bühnenpräsenz - schätzen.

Trotz aller Liebe zur Oper singt Matthias Rexroth auch vielfach Oratorium. Und seine besondere Aufmerksamkeit gilt weit gefächerten Lieder- und Arienprogrammen, denen er so schöne Titel gibt wie Canzonette ed Ariette Salonstücke für Dilettanten, begleitet von Eytan Pessen am Klavier.